Dienstag, 19. September 2017

Gesundheitsprophylaxe des Pferdes mit Akupunktur

Akupunktur ist nicht nur zur Behandlung akuter oder chronischer Krankheiten einsetzbar, sie eignet sich auch hervorragend zur Gesundheitsprophylaxe.

Dazu werden am Körper des Pferdes bestimmte Punkte, die Shu-Mu-Punkte und diagnostischen Punkte, gedrückt. Zeigt das Pferd darauf eine Reaktion, bedeutet dies, dass auf dem zugeordneten Meridian oder der Körperstruktur dieses diagnostischen Punktes eine Blockade oder Stauung vorhanden ist, die – auch wenn noch keine klinischen Symptome sichtbar sind – zur Entwicklung von Krankheiten führen kann. Eine frühzeitige Behandlung des gestörten Meridians kann somit die Entstehung von Krankheiten verhindern.

Ein Check-up zur Prophylaxe 1mal jährlich ist deshalb sehr zu empfehlen.

Für Bestandskunden und Neukunden biete ich zur Zeit einen Kennenlernangebot für die Prophylaxeuntersuchung Ihres Pferdes an. Sollte sich bei der Untersuchung eine Störung finden, ist eine erste Behandlung im Preis enthalten. Gerne erstelle ich dann einen weiteren Behandlungsplan.

Der Preis ist inkl. der Anfahrt im Umkreis von 15 Kilometern von 21354 Bleckede. Bei weiteren Entfernung berechne ich eine kleine Fahrtkostenpauschale. Diese wird bei mehreren Pferden geteilt.


Mein normales Einzugsgebiet ist bis zu 75 Kilometer um 21354 Bleckede. Gerne komme ich auch zu weiter entfernten Ställen. Fragen Sie dazu die Konditionen (Mindestzahl der Pferde, Anfahrtskosten) an.

Vereinbaren Sie jetzt einen Termin zur Gesunderhaltung Ihres Pferdes. Kontakt per Email:

pferdeosteopathie-lueneburg@gmx.de

Weitere Informationen:
Webseite Marion Goldbach


Freitag, 2. Juni 2017

Ausbildung zum Fütterungsexperten für Pferde unter Leitung von Dr. Christina Fritz

Der Kurs fällt leider aus!

Eine Freundin und Kollegin von mir organisiert 2018 (Januar und Februar) die Ausbildung zum Fütterungsexperten mit Frau Dr. Christina Fritz.

Info Dr. Christina Fritz

Ich habe selber schon Seminare zur Pferdefütterung bei Frau Dr. Fritz besucht. Sie ist auf dem Gebiet wirklich sehr gut. Auch ihr Buch "Pferde fit füttern" aus dem Cadmos Verlag, ist für alle, die sich umfassend mit dem Thema korrekte Pferdefütterung befassen möchten, sehr zu empfehlen.



Die Ausbildung zum Fütterungsexperten dauert 2 Wochenenden von Freitag bis Sonntag und findet im Raum 27616 Beverstedt / 27612 Loxstedt statt. Die Teilnahme ist begrenzt.


Ausbildung zum Fütterungsexperten Pferd

Die Fütterung spielt – insbesondere im Hinblick auf die zunehmenden Stoffwechselerkrankungen – eine immer größere Rolle. Das Angebot an Fertigfuttermitteln und Futterzusätzen ist mittlerweile kaum noch überschaubar. Jeder Anbieter preist natürlich sein Futter als das beste, natürlichste und ausgewogenste Futter an. Spezialfutter für Hufrehe- oder Ekzemerpferde, für Isländer oder Sportpferde machen den Futtermarkt noch unübersichtlicher. Was aber passiert mit dem Futter tatsächlich in der Verdauung und im Stoffwechsel des Pferdes? Welche Auswirkungen haben welche Futterbestandteile auf Stoffwechsel, Krankheiten und Leistungsfähigkeit? Wie entsorgt der Körper die Stoffe, die er nicht verwerten kann?

Und wie kann ich über richtiges Futtermanagement positiv auf Zivilisationserkrankungen des Pferdes wie Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Hufrehe, Ekzeme usw. einwirken?

Die Ausbildung zum Fütterungsexperten beschäftigt sich intensiv mit der Verdauung des Pferdes, den Stoffwechselvorgängen auf verschiedenen Ebenen, geht auf die verschiedenen Futterbestandteile ein und auch auf die Krankheiten, die durch falsche Fütterung entstehen können.

Nach dieser Ausbildung sind Sie in der Lage, die Zusammensetzung von Futtermitteln und der Gesamtfutterration für das jeweilige Pferd zu bewerten und die Gesundheit Ihres Pferdes über eine artgerechte Fütterung zu erhalten. Hinweise für die Unterstützung stoffwechselkranker Pferde sowie zum Parasitenmanagement runden das Thema ab.

Kurs 1
• Nährstoffe (Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette) und ihre Bedeutung für den Organismus
• Nährstoffbedarf von verschiedenen Geweben und Organen
• Mineralien und Spurenelemente und ihre Bedeutung für den Stoffwechsel
• Der Verdauungsapparat des Pferdes mit seinen Anhangsorganen
• Nahrungsverwertung – was passiert wo?
• Entgiftung und Entsorgung im Pferdestoffwechsel

Kurs 2
• Futterbestandteile und ihre Bedeutung in der Ernährung
• Raufutter – Bedeutung für den Organismus, Qualitätskriterien
• Zusammensetzung von Fertigfuttermitteln
• Verschiedene Pferde und ihre unterschiedlichen Fütterungsbedürfnisse
• Parasitenkontrolle und fütterungsbedingte Zivilisationserkrankungen des Pferdes
• Fütterungsmanagement – gesunde Pferde gesund erhalten, kranke Pferde stabilisieren

Beide Kursteile sind nur zusammen buchbar.

Nähere Informationen zur Anmeldung bitte bei Frau Jessika Tiedemann, Email: info@equilance.de

Samstag, 29. April 2017

Demnächst: Franklin Bälle im Test

Heute saß ich beim Reiten kurz im Schritt auf den sog. Franklin Bällen. Das Ergebnis hat mich so erstaunt, dass ich mir gleich das Reiterset bestellt habe. Dieses werde ich dann für euch testen. Das Ergebnis erfahrt ihr dann hier.

https://www.balimo.info/franklin-baelle

Sonntag, 9. Oktober 2016

Die Wirbelsäule des Pferdes

Pferdeskelett
Foto: Privat

Aufbau der knöchernden Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird in einzelnen Abschnitten aufgeteilt, die den meisten bekannt sein dürften. Sie besteht aus 7 Halswirbeln ( Halswirbel lat. vertebrae cervicales, Abk. C,  HWS), 18 Brustwirbeln (Brustwirbel lat. vertebrae thoracicae, Abk. Th, BWS), 6 Lendenwirbeln (Lendenwirbel lat. vertebrae lumbales, Abk. L, LWS) 5 Kreuzwirbeln (Kreuzwirbel lat. vertebrae sacrales, Abk. S) und 15 bis 21 Schwanzwirbel (Schwanzwirbel lat. vertebrae caudales).

Ein Wirbel (lat. vertebrae) besteht aus einem Wirbelkörper (lat. corpus vertebrae) und einem Wirbelbogen (lat. Arcus vertebrae). Im Wirbelbogen verläuft geschützt das Rückenmark. Zwischen den einzelnen Wirbeln verankert, jeweils davor und dahinter, liegen die Bandscheiben (lat. disce intervertebralia). Sie dämpfen die Schubkraft auf die Wirbelsäule, die von vorn und hinten auf die Wirbelsäule einwirken, ab und lassen kleine Bewegungen zu. Alle Wirbel sind gelenkig miteinander verbunden. Diese Gelenke nennt man Facettengelenke oder Wirbelgelenke. Je nach Bewegung sind sie unterschiedlich geformt. Einige haben Kerben, die eine seitliche Bewegung verhindern (in der LWS), andere haben eine glatte und horizontale Form, die sehr gut Drehungen zulassen können ( in der BWS). Die Facettengelenke der Halswirbel sind schräg geformt und können so eine seitliche Biegung zulassen.

Zwischen den einzelnen Wirbeln ziehen kurze und stabile Bänder (lat. Ligamenta). Sie verhindern ein Abknicken der einzelnen Wirbel und dienen somit als wichtiger Schutz für das Rückenmark. Dann gibt es wiederum noch lange Bänder. Das am meisten bekannte Band ist das Nacken-Rückenband (lig. supraspinale). Es zieht oben auf den Dornfortsätzen vom Hinterhaupt des Schädels bis hin zum Kreuzbein. Im Halsbereich bildet es zusätzlich eine große bindegewebige Platte aus (lat. Funiculus Nuchae), die zu den einzelnen Halswirbeln zieht.
 
Um die Wirbelsäule überhaupt bewegen zu können und weiter zu festigen, benötigt es Muskeln. Diese Muskeln brauchen stabile Verankerungsplätze. Dazu gibt es an jedem Wirbelbogen 3 Fortsätze (lat. Processus). Rechts und links des Wirbelbogen liegen die Querfortsätze (lat. processus transversi) und nach oben hin der Dornfortsatz (lat. processus spinosus). Diese Fortsätze sind in den verschiedenen Wirbelabschnitten unterschiedlich ausgeprägt, je nach Bewegungsaufgabe des Wirbels. An diesen Fortsätzen können die Muskeln perfekt ansetzen und kleine Bewegungen steuern bzw. die Wirbelsäule versteifen. Die Signale bekommen die Muskeln aus dem Rückenmark.

Brustwirbel mit langem Dornfortsatz im
Bereich des Widerrist
Foto: Privat





Lendenwirbel mit seitlich sehr langen Querfortsätzen
Foto: Privat

Beweglichkeit der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte

Über die Beweglichkeit der Wirbelsäule gibt es verschiedene Theorien. Ein besonders strittiges Thema ist die Gegenrotation der unteren Wirbelkante zur seitlichen Biegung. Die einen sagen, ist beides zur einen Seite, die anderen vertreten die Meinung, dass die Rotation immer entgegen der seitlichen Biegung ist. Also ist das Pferd in einer Linksbiegung, dann rotiert die untere Wirbelkante nach rechts. Diese Meinung vertrete ich auch. 

Das Pferd kann sich mit seiner Wirbelsäule um 180 ° drehen. Es hat keine Probleme, sich mit den Zähnen die Flanke zu kratzen. Dabei macht es eine Kombination aus verschiedenen Bewegungen. Diese Bewegungen werden nie von einzelnen Wirbeln gemacht. Es sind immer die angrenzenden mit in der Bewegung eingeschlossen. Im Einzelnen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Beugung (Flexion) und Streckung (Extension)
Bei der Beugung macht die Wirbelsäule sozusagen einen "Katzenbuckel". Der untere Abschnitt der Wirbel nähert sich an, während die oberen Dornfortsätze sich voneinander entfernen. Bei der Streckung ist es genau umgekehrt. Die Dornfortsätze nähern sich an und die unteren Wirbelkörper entfernen sich voneinander.


  • Seitliche Biegung (Lateral Flexion)
Bei der seitlichen Biegung macht sich das Pferd "hohl". Dabei kommen die kleinen Gelenke der einzelnen Wirbel auf der hohlen Seite näher zusammen. Auf der gegenüberliegenden Seite müssen sich die Gelenke wieder mehr voneinander entfernen. Bei der seitlichen Biegung führen die Wirbel, meiner Meinung nach, auch gleichzeitig eine Gegenrotation der Wirbelkörper aus. Das heißt: biegt sich das Pferd nach links, werden die Wirbelkörper unten nach rechts rotiert. Die Dornfortsätze zeigen dabei in die Biegung.


  • Drehung (Rotation)
Die Drehung bezieht sich auf den unteren Wirbelkörper. Der Wirbel dreht sich um die eigene Achse. Diese Bewegung wird in Kombination mit der Biegung ausgeführt und führt in die entgegengesetzte Richtung der Biegung.

Die einzelnen Wirbelabschnitte haben dabei ihre besonderen Fähigkeiten zur Bewegung. Im Folgenden möchte ich auf die einzelnen Abschnitte eingehen.


Halswirbelsäule

Bei der Halswirbelsäule gibt es eine Besonderheit. Die ersten beiden Gelenke werden als Kopfgelenke bezeichnet. Sie bewegen und stabilisieren den Kopf. Dabei vollführen sie viele kleine Bewegungen in alle Richtungen. Es ist somit entgegen der natürlichen und biomechanischen Grundsätze, dass das Pferd ständig in der gleichen Genickbeugung läuft. Der erste Halswirbel (Atlas) ist mit dem Schädel gelenkig verbunden. Er hat seitlich 2 große seitliche Gelenkflächen (Atlasflügel), die als Anheftungsfläche für die kleinen Nackenmuskeln dienen und gleichzeitig auch ein Loch im Schädel schützen, in dem das Rückenmark verläuft. Das Gelenk zwischen Schädel und ersten Halswirbel (Atlantookzipitalgelenk  C0/C1) ist leicht in der Lage seitliche Biegung zu vollziehen. Die Beugung und Streckung ist nur begrenzt möglich, die Drehung überhaupt nicht. Bei der seitlichen Biegung ist die Besonderheit, dass der Atlas eine minimale Rotation in die gleiche Richtung vollführt. Die Hauptbewegung ist jedoch die seitliche Biegung. Die Rotation, Beugung und Streckung führt das nächste Kopfgelenk aus. Das Atlantoaxialgelenk (C1/C2) zwischen 1. und 2. Halswirbel (Axis). Der 2. Halswirbel hat nach vorne hin einen langen "Zahn", der in den Atlas gesteckt ist. Dadurch ist dieses Gelenk besonders beweglich. Die Rotation ist dabei die am leichtesten ausgeführte Bewegung. Der Axis kippt dabei automatisch in eine entgegengesetzte seitliche Biegung. Diese beiden Bewegungen sind in diesem Gelenk gekoppelt. Eine Beugung und Streckung ist gut möglich. Bei einem Pferd in natürlicher Aufrichtung ist, anatomisch gesehen, der Dornfortsatz des 2. Halswirbels der höchste Punkt und nicht wie oft angenommen, das Genick.


Schädelrückseite (links) mit 1. (Mitte) und 2.(rechts) Halswirbel
Foto: privat

1.(rechts) bis 3.(links) Halswirbel locker zusammengelegt
Foto: privat

Die Halswirbel 3 bis 6 haben nur sehr kleine Dorn- und Querfortsätze. Dafür aber große Gelenkflächen zwischen den einzelnen Wirbeln. Diese Gelenkflächen sind in einem Winkel von 45° angeordnet. Sie können ideal bei einer seitlichen Biegung ineinandergleiten. Der hintere Wirbel vollführt dabei immer eine kleine Rotation zur Gegenseite. Betrachtet man diesen Teil der Wirbelsäule im Ganzen, so fällt auf, dass der vordere Teil eine Lordose bildet und der untere Teil eine Kyphose. Der obere Teil ist sehr gut in der Lage zu beugen und zu strecken, der untere kann sich gut drehen. 
In den einzelnen Gelenken ist eher wenig Bewegung möglich. Auffällig ist die gute Bewegungsmöglichkeit in der gesamten HWS. Dies ist nötig, um sich gut auszubalancieren und zur Kontaktaufnahme. Der Hals dient als vorderer Hebel zum Aufwölben des Rückens.

Halswirbel mit großen Gelenkflächen
Foto: Privat

Halswirbelsäule
Foto: Privat

Übergang Halswirbelsäule/Brustwirbelsäule (CTÜ)

Dieser Übergang der Wirbelsäule ist besonders den Belastungen durch Reiten, Stürzen usw. ausgesetzt. Hier staucht sich die Kraft von vorne und von hinten sowie aus dem Schultergürtel. Blockierungen sind hier häufig zu finden, was sich z. B. in Stolpern, gebundener Gang in der Vorhand und Gleichgewichtsproblemen zeigt. Die Besonderheit dieser Region ist, dass es sich um eine Mischform der Wirbel handelt. So ist zum einen der 7. Halswirbel ein direkter Gelenkpartner und zum anderen der 1. Brustwirbel. Dieser ist auf der vorderen Seite noch wie ein Halswirbel geformt, auf seiner hinteren aber schon wie ein Brustwirbel mit längerem Dornfortsatz und Ansatzstelle für das erste Rippenpaar. Insgesamt beeinflusst diese Region die letzten Halswirbel ab C5/C6 und die ersten Brustwirbel bis ca. Th 5 in ihrer Funktion. 
Die seitliche Biegung wird durch die Befestigung des ersten Rippenpaares fixiert. Das Beugen und Strecken (Anheben und Absenken des Halses) kann gut ausgeführt werden.

Region des CTÜ von der Seite gesehen
Foto: Privat



Brustwirbelsäule (BWS) mit Brustkorb, Brustbein, Rippen


Die Dornfortsätze der vorderen BWS Th 2 bis ca. Th 11/12 sind sehr lang. Zum Teil haben sie die 5-fache Länge des Wirbelkörpers. Sie bilden den Widerrist des Pferdes. Dabei kommen sie sich an ihren Enden gefährlich nah. Im Gegensatz dazu sind ihre Wirbelkörper sehr klein mit vielen kleinen Gelenkflächen. Die langen Dornfortsätze sind notwendig um die langen Muskeln des Halses zu verankern. Jeder Brustwirbel besitzt ein Rippenpaar, welchen an der unteren Wirbelkante gelenkig verbunden ist. Die Rippen enden dann gelenkig im Brustbein. Die ersten 8 sind durch echte Gelenke verbunden. Diese haben also einen Gelenkspalt, die Gelenkflächen sind mit Knorpel überzogen und es gibt eine Gelenkkapsel. Die hinteren 10 Rippenpaare sind lediglich durch eine knorpelige Verbindung mit dem Brustbein verbunden und werden als unechtes Gelenk bezeichnet.

Vordere BWS von oben betrachtet. Gut zu erkennen die
langen Dornfortsätze und die Rippengelenke
Foto: Privat


Region Widerrist, Dornfortsätze neigen nach hinten
Foto: Privat
 
Mittlere BWS und erste Lendenwirbel
Foto: Privat




Rippengelenke
Foto: Privat

Knorpelige Verbindung Rippen zum Brustbein
Foto: Privat

Die Beweglichkeit in den einzelnen Abschnitten der BWS ist sehr unterschiedlich. So ist die Region um den 14. Brustwirbel äußerst beweglich in seitlicher Biegung und Rotation. Dieser Bereich ist der Mittelpunkt der meisten Bewegungen wie z. B. beim Ausweichen, beim Ausholen mit dem Vorderbein oder beim Ausschlagen. An dieser Stelle ändert sich auch die Neigung der Dornfortsätze. Im vorderen zum Kopf gewandten Bereich, bis Th13, neigen sie sich nach hinten, im hinteren zur Kruppe gewandten Bereich, ab Th 15, nach vorne. Dabei ist der 14. Wirbel eher gerade. Hier ist die tiefste Stelle des Rückens. Diese Neigungsrichtung ist wichtig, um den Zug der Muskeln in die Länge zu bringen. So kann sich der Rücken in der Bewegung "aufwölben" und dehnen.

Der vordere Bereich der BWS kann sich sehr gut in Rotation und seitlicher Biegung bewegen. Zu beobachten ist dies sehr gut am Widerrist des Pferdes im Schritt. Durch die Befestigung der Rippen am Brustbein wird dies aber etwas eingeschränkt. Die vorderen und mittleren Brustwirbel werden durch Muskeln und Bänder gehalten. Im Bereich von Th 10-12 ist die Beugung und Streckung sehr gut möglich. Seitbiegung und Rotation ist wieder eingeschränkter.

Im hinteren Bereich der BWS stabilisieren die Facettengelenke die Wirbel. Die Region des Th 13 bis 15 haben an ihren Gelenkflächen (Facettengelenke) ein Veränderung der Form. So können sie wieder leichter Rotation zulassen. Bei den letzten Brustwirbeln (Th 16-18) ist nur noch sehr wenig seitliche Biegung und Rotation möglich. Hier bilden die Facettengelenke kleine "Nasen", die sehr gut in die Kerbe des jeweils hinten folgenden Wirbels passen. Dadurch wird die Seitbiegung und Rotation sehr eingeschränkt.

Durch alle diese Kombinationsmöglichkeiten macht die BWS eine Wellenbewegung. Natürlich nur, wenn es keine Blockierungen gibt. Sehr gut kann man diese Bewegung im Schritt oder Galopp sehen. Wer sich selber einmal auf den Boden begibt und auf den Knien rumkrabbelt, kann sehr gut diese Bewegungen der Wirbelsäule nachfühlen. Ich würde es jedem einmal empfehlen.

Der Brustkorb des Pferdes ist ein ovales, nach unten spitz zulaufendes Gebilde. Er ist eher schmal. In ihm sind die wichtigsten Organe untergebracht und werden geschützt. Der Brustkorb besteht aus den Rippen, dem Brustbein und den Brustwirbeln. Er ist nicht so starr, wie häufig angenommen. Die vielen Gelenke sind gut beweglich. Er ist mit dem Rumpf nur über Muskeln fixiert. Das Pferd hat kein Schlüsselbein. Dadurch hängt er sozusagen wie in einer Hängematte. Zu den Muskeln gehören z. B. die Brustmuskeln und die innen am Schulterblatt liegenden Muskeln. Sie bilden den Schultergürtel. 

Der Brustkorb selber hat auch viele Eigenmuskeln, die u. a. für die Atmung zuständig sind. So gibt es Muskeln zwischen den einzelnen Rippen, Muskeln zum Heben der Rippen und welche, die den Brustkorb halten. Nach hinten wird der Brustkorb durch das Zwerchfell (Diaphragma) abgegrenzt. Das Diaphragma ist der bedeutendste Muskel für die Atmung. Es bildet eine Kuppel innerhalb des Brustraumes. Es trennt den Brustkorb vom Bauchraum, wo sich die Organe zur Verdauung usw. befinden. Ein blockiertes Zwerchfell kann für nicht infektösen Husten sorgen und die Leistung des Pferdes beeinträchtigen.

Das Brustbein befindet sich vorne am Brustkorb. Man kann es zwischen den Vorderbeinen fühlen. Es ist länglich und gleicht dem Bug eines Schiffes. An ihm sind die Brustmuskeln und die inneren Schultermuskeln verankert. Es dient der Befestigung der Rippen. 

Das erste Rippenpaar geht eher senkrecht nach oben. Es hat als einziges Rippenpaar eine knöchernd-gelenkige Verbindung mit dem Brustbein. Hier wird die gesamte Halswirbelsäule getragen. Die anderen Rippen sind über Knorpel mit dem Brustbein verbunden. Die letzten Rippen (ab 9.) sind nur noch knorpelig mit dem Rippenbogen und nicht mehr direkt mit dem Brustbein verbunden.
Jedes Rippenpaar ist immer an 2 Brustwirbeln gelenkig verbunden. Jeder Wirbel bildet seitlich eine Gelenkpfanne für das Rippenköpfen. Sie kommen seitlich aus den Wirbeln heraus und machen dann einen kleinen Knick um noch einmal zusätzlich an dem Querfortsatz des Wirbels anzuheften. Erst dann machen sie den Bogen nach unten zum Brustbein. Die Bewegung der Rippen ist eine Art Drehbewegung, die an die "Eimerhenkelbewegung" erinnert.
Den vorderen Rippen sind für die Funktion der Atmung und auch für die Tragefunktion des Halses zuständig. Von hier aus ziehen die großen Nackenmuskeln zum Nacken. Auch der Stauchungsdruck vom Boden aus ist nicht zu verkennen. Die freie Bewegung wird häufig durch klemmende Sättel, Gurte und klemmenden Reiter beeinträchtigt. Drückt das Pferd den Rücken nach unten, so entsteht ein zusätzlicher Druck auf die Rippen. Die Atmung kann schnell durch u. a. solche Probleme beeinträchtigt werden.
Blick von vorne in den Brustkorb,
unten befindet sich das Brustbein
Foto: privat




Lendenwirbelsäule (LWS) mit lumbosakralem Übergang (LSÜ)

Die Wirbel der LWS haben einige Auffälligkeiten in ihrer Bauweise. Zum einen haben sie sehr lange Querfortsätze, was ihre seitliche Biegung stark einschränkt. Sie dienen als Schutz für die inneren Organe und sind ideale Anheftungsmöglichkeit für die Muskulatur (besonders die schrägen Bauchmuskeln). Ihre Facettengelenke sind grubenförmig von vorn nach hinten ausgerichtet. Dadurch ist als Bewegung die Beugung und Streckung gut möglich. Ebenfalls besitzen die Gelenkfortsätze der Wirbel noch eine kleine Einkerbung, was eine Rotation der Wirbel verhindert. Die LWS arbeitet also hauptsächlich in Beugung und Streckung. Diese Aufgabe kommt ihr beim Galopp, dem guten Rückwärtsrichten, Springen und Klettern am nächsten. Dabei gleiten die Gelenkflächen der Facettengelenke optimal ineinander. Die LWS überträgt die Kraft und Bewegung der Hinterhand weiter nach vorne.

Bei erwachsenen Pferden kann es ab dem ca. 10. bis 12. Lebensjahr zur teilweisen Verknöcherung der Querfortsätze oder der letzten Lendenwirbel kommen. Dann ist dort keine Bewegung mehr möglich, was beim Reiten berücksichtigt werden muss. Nicht immer ist das Pferd unwillig, wenn es im Galopp nicht mehr so weit untertritt. Zu 99,9 % liegt die Ursache woanders, nicht wahr!?!

Der Lumbosakrale Übergang (LSÜ) ist bei vielen Pferden als "Loch" oben auf der Kruppe zu sehen. Es ist der Übergang zwischen letztem Lendenwirbel und erstem Kreuzbeinwirbel. Dieses Loch entsteht dadurch, dass die Dornfortsätze der Wirbel sich in verschiedene Richtungen neigen. die LWS neigt sich Richtung Kopf, die Wirbel des Kreuzbein neigen sich nun nach hinten Richtung Schwanz. Dadurch entsteht ein freier Raum zwischen den Dornfortsätzen der Wirbelsäule.

Der letzte Lendenwirbel und die Flügel des Kreuzbein liegen mit ihren Flächen aufeinander auf und lassen als Bewegung Beugung und Streckung zu. Rotation ist an dieser Stelle fast gar nicht möglich. Dafür müsste das Kreuzbein blockiert und seitlich rotiert sein. Das ist für das Pferd sehr schmerzhaft.

Bei Trageerschöpfungen sackt die Wirbelsäule im Ganzen nach unten ab und drückt die Facettengelenke des LSÜ zusammen. Dadurch leidet dieser Bereich sehr häufig unter schmerzhaften Blockierungen.
LWS und LSÜ
Foto: privat
5. und 6 Lendenwirbel, verknöcherte Querfortsätze
Foto:privat

Verknöcherung zw. 4. und 5. Lendenwirbel
an den Querfortsätzen
Foto: privat



Kreuzbein und Kreuzdarmbeingelenk (ISG)


Das Kreuzbein ist bei einem Pferd erst ab dem 5. Lebensjahr fest verwachsen. Dieser Punkt ist bei der Ausbildung eines Pferdes von immenser Wichtigkeit! Das Kreuzbein ist zusammen mit einer aktiven Hinterhand unser hinterer Hebel zum Aufrichten der Wirbelsäule. Damit diese Kraftübertragung überhaupt richtig funktionieren kann, muss das Kreuzbein fest verwachsen sein. Das ist reine Physik und entspricht den Hebelgesetzen. Mit einem wackeligen Brett kann ich kein Gewicht effektiv anheben. Zu frühe und zu starke Belastung führen also in dem Fall eher zu gesundheitlich bedenklichen Lösungen und Kompensationen im Bewegungsapparat. Ein junges Pferd sollte aus dem Grunde eher mit Bedacht und sorgsam an die Belastung unter dem Reiter herangeführt werden.

links Kreuzbeinwirbel, rechts Schwanzwirbel
Foto: privat
Das Kreuzbein überträgt die Schubkraft der Hinterhand auf die Wirbelsäule nach vorne. Wenn es verknöchert ist, bewegt es sich im Ganzen und kann sehr gut das Abkippen des Beckens und der Wirbelsäule mitmachen. Eine seitliche Neigung in Rotation nach links und rechts ist ebenfalls möglich. Das Kreuzbein wird durch viele Bänder im Beckenring gehalten und schiebt sich unter dem oberen Rand des Beckens unter den Kreuzbeinhöckern und dem Darmbein zwischen den beiden Hüfthöckern. Es stellt damit eine Verbindung zwischen Wirbelsäule und Beckengliedmaße dar. Der zum Pferdekopf weisende Teil des Kreuzbeins besitzt zu jeder Seite 1 Flügel, der jeweils Kontakt zu dem gleichseitigen Darmbeinflügel hat. In diesem Bereich befindet sich das sog. Kreuzdarmbeingelenk (ISG). Auch dies ist kein echtes Gelenk, sondern eine knorpelige Verbindung ohne Gelenkspalt und ohne Gelenkkapsel. Die Bewegung ist durch straffe Bänder stark eingeschränkt aber dennoch federnd.

verknöchertes Kreuzbein mit seitlichen Flügeln
Foto: privat

Lage des Kreuzbeins im Becken von oben betrachtet
Blick auf die ISG von oben
Foto: privat

Lage des Kreuzbeins im Becken
vom Pferdekopf aus betrachtet
Blick auf die ISG seitlich
Foto:privat

Schwanzwirbel, Sakrokokzygealer Übergang (SCÜ)

Der Sakrokokzygealer Übergang ist die Verbindung zwischen dem Kreuzbein und den Schwanzwirbeln. Das besondere sind die verwachsenen Kreuzbeinwirbel und die dann wieder beweglichen Schwanzwirbel. Der Übergang befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen höchstem Punkt der Kruppe und Schweifansatz. Die Schwanzwirbel werden im vorderen Bereich über Bandsysteme der Kruppe gehalten, die eine enorme Spannkraft besitzen.  Erst im Bereich der Schweifrübe ist viel Bewegung möglich. Die Bewegungen der einzelnen Wirbel werden von den Schwanzmuskeln im Bereich der vorderen Schwanzwirbel gesteuert. Die Schwanzwirbel sind insgesamt eher klein und lassen sich im Bereich der Schweifrübe normalerweise gegeneinander verschieben.


Der Schweif des Pferdes stellt eine sehr bedeutende Balancierstange des Pferdes, vor allem in schnellen Gangarten, auf unebenen Boden und beim Springen, dar.

Lage Kreuzbein und vordere
Schwanzwirbel im Becken
Foto: privat

Schlusswort

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Beitrag ein wenig mehr über die Wirbelsäule des Pferdes informieren konnte. Durch die vielen Bilder aus meinen Fortbildungen habe ich versucht das Ganze etwas anschaulicher zu ergänzen. Das Thema Muskeln habe ich bewusst rausgelassen, da es den Beitrag sprengen würde. Das werde ich in einem gesonderten Beitrag sicherlich noch einmal aufgreifen. Wahrscheinlich werde ich mit der Zeit den einen oder anderen Textteil wieder ergänzen, da sich immer wieder in neue Erkenntnisse ergeben, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Sonntag, 27. September 2015

Ab 2016 wieder Behandlungstouren!

Ab dem kommenden Jahr fahre ich wieder auf Wochenendtouren um Pferde zu untersuchen und zu behandeln.

Geplante Fahrten gibt es auf jeden Fall wieder in den Norden von Schleswig Holstein, Harz, Ostfriesland und in die östlichen Bundesländer.

Wenn ihr wissen möchtet, ob ich auch in eure Gegend kommen kann, dann schickt mir eine Anfrage per Email: pferdeosteopathie-lueneburg@gmx.de

In diesem Jahr habe ich noch einige Fortbildungen u.a. Craniosacrale Therapie für Pferde, Faszienbehandlung und manuelle Therapie. Ich freue mich schon auf neue Erkenntnisse.

Samstag, 19. September 2015

Osteopathie - Chiropraktik - Knochenbrecher = Pferdebehandlung verstehen!

Heute möchte ich mich einmal einem weiteren, sehr emotional diskutiertem Thema widmen. Es geht um die Behandlungen von Pferden von ausgebildeten Therapeuten und selbsternannten Heilern, auch Knochenbrecher genannt. Diese Behandler haben eher selten eine entsprechende Ausbildung. Der wohl bekannteste von ihnen kommt aus Ostfriesland und ist im TV und Medien mit diversen Beiträgen zu finden. Ein ausgebildeter Pferdeosteopath oder Chiropraktiker hat in der Regel eine Qualifikation als Humanphysiotherapeut oder Tierarzt mit entsprechender Weiterbildung. Eine weitere Ausbildungsmöglichkeit gibt es für Quereinsteiger. Hier dauert die Ausbildung je nach Schule ca. 1,5 bis 2 Jahre und beinhaltet den theoretischen Hintergrund mit einem hohen Praxisanteil. Grundsätzlich ist es aber in Deutschland so, dass die Berufsbezeichnung Chiropraktiker oder Osteopath für Tiere nicht geschützt ist und auch die Ausbildungen nicht geregelt sind. Es kann sich also jeder so nennen und auf die Tiere losgelassen werden.

Ich möchte euch die Wirkungsweise und Zusammenhänge von Behandlungen erläutern und die Entstehung von Blockierungen.


Wie entsteht eine Blockierung oder Bewegungseinschränkung?

Zur Vertiefung eurer Kenntnisse empfehle ich meinen Beitrag über die Funktion des Nervensystems zu lesen. Hier gehe ich auf die Reizleitung Nerv ein. Den Beitrag findet ihr hier. Auch den Beitrag zur Muskulatur empfehle ich noch einmal zu Lesen. In dem Beitrag erfahrt ihr auch, wie sich Muskel- und Skelett verbinden. Den Beitrag findet ihr hier.

Bewegung entsteht durch das Zusammenspiel von knöchernen, muskulären und bindegewebigen Strukturen wie Sehnen und Bänder. In jedem Muskel befinden sich Fasern, die sich bei einem elektrischen Signal zusammenziehen können und sich dann auch wieder dehnen. Dieses Signal wird vom zentralen Nervensystem an den Muskel geleitet. Der Muskel spannt sich an und bewegt den Knochen bzw. das Gelenk, mit dem er über eine Sehne verbunden ist. Der Gegenspieler dieses Muskels macht die gegenteilige Bewegung. Wenn also einer das Gelenk beugt durch Verkürzung, dann muss der Gegenspieler loslassen und sich dehnen. So die Kurzfassung. Dieses Zusammenspiel von Muskeln und Nerven ist die Grundlage für die Erhaltung der Bewegung. Funktioniert dieses Zusammenspiel nicht mehr richtig, weil die Muskeln verspannen, kommt es zu einer Bewegungseinschränkung in dem betreffenden Gelenk.

In der Osteopathie wird nahezu jede Verletzung, Schädigung oder Störung von 2 benachbarten Strukturen als Läsion oder Dysfunktion bezeichnet. Dabei verliert ein Gelenk oder ein Wirbel seine natürliche Beweglichkeit. Dies kann zu Beginn für den Laien noch unauffällig sein, da Pferde Perfektionisten im Kompensieren sind. Im Bindegewebe kann es ebenfalls zu Läsionen kommen. Dabei ist die Eigenbewegung des Gewebes eingeschränkt. Solche Einschränkungen entstehen z. B. durch Narben, Tritte oder Schläge sowie Verletzungen des Gewebes. Nun hat jeder Körper iergendwo Läsionen. Das passiert einfach über die Jahre. Diese werden meist gut kompensiert und es treten keine Symptome auf. Kommt es aber zu einer zusätzlichen Belastung z. B. durch eine Verletzung, Überanstrengung, unpassender Sattel, falsches Futter usw. treten Symptome auf, die der Reiter dann wahrnimmt.

Als Blockierung bezeichnet man eine eingeschränkte Beweglichkeit eines Gelenks oder Wirbelabschnittes, die reparabel ist. Anders ist es bei einer Blockade. Hier handelt es sich um einen kompletten Verlust der Bewegung durch Verknöcherung. Wenn Blockierungen über einen längeren Zeitraum bestehen, kommt es zu einer knöchernen Zubildung an den beteiligten Knochen und die Bewegung ist nicht mehr möglich.

Was passiert bei der Untersuchung und Behandlung?

Die Behandlung erläutere ich euch aus der Sicht der Osteopathie, da ja hier auch mein Schwerpunkt liegt.

Der Pferdebesitzer stellt irgendwann einmal fest, dass etwas nicht mehr so funktioniert wie vorher. Vielleicht wurde er auch schon durch einen Tierarzt auf die Idee gebracht. Bei dem ersten Termin macht der Therapeut eine genaue Anamnese. Hier werden allgemeine Daten zum Pferd aufgenommen wie z. B. Alter, Training, Haltungsbedingungen, Fütterung, Vorerkrankungen, Probleme usw. Eine genaue Befragung ist der erste Schritt der Behandlung und erleichtert eine spätere Diagnosestellung. Als nächstes kommt die Adspektion. Das Pferd wird von allen Seiten betrachtet und verglichen. Dabei werden Gebäudeprobleme ebenso aufgeführt wie muskuläre Auffälligkeiten, Hufe, Form der Wirbelsäule oder Fehlstellungen in den Gliedmaßen. Für die genaue Diagnose folgt als nächstes die Palpation, also das Fühlen und Berühren des Körpers. Hier nimmt der Therapeut Wärme- und Kälteunterschiede war, Verspannungen der Muskeln und schmerzhafte Regionen. Dabei nimmt der Therapeut auch Kontakt zum Inneren des Körpers auf und "lauscht" in ihn rein. Die Palpation geschieht durch eher sanften Druck mit den Fingerkuppen. Es wird z. B. die Verschieblichkeit und Nachgiebigkeit der Haut oder der Muskeln getestet. Dabei erfolgt immer der Seitenvergleich. Das Abdrücken von Diagnosepunkten aus der Akupressur ergänzt die Palpation.

Palpation der Muskulatur
Foto: privat


Anschließend erfolgt die ausführliche Bewegungsanalyse. Das Pferd wird im Schritt und Trab vorgestellt. Es werden Wendungen, Rückwärtsrichten und die Fähigkeit des Kreuzens abgefragt und ausgewertet. Dabei achtet der Therapeut auf die physiologische Bewegung der Gelenke und der Wirbelsäule und vergleicht wieder beide Seiten. Eine Bewegungsanalyse an der Longe kann die Diagnose ergänzen. Zu einer korrekten Befundaufnahme gehört auch die Kontrolle der Ausrüstung. Passen Sattel und Trense nicht, kann das große Auswirkungen haben. Ein schiefer Reiter überträgt seine körperlichen Defizite auch auf das Pferd und sorgt für Probleme.

Bewegungsanalyse
Foto: privat

Sind diese Untersuchungen abgeschlossen, widmet sich der Therapeut der genauen Untersuchung der einzelnen Gelenke. Die Reihenfolge der Vorgehensweise ist dabei bei jedem unterschiedlich. Es werden aber sämtliche Gelenke der Gliedmaßen und die Wirbelsäule untersucht. Dabei wird durch spezielle Tests die physiologische Bewegung der Gelenke getestet. Jedes Gelenk wird in seiner natürlichen Bewegung getestet. Dabei achtet der Therapeut auf das Ausmaß der Bewegung und das sogenannte Endgefühl. Das ist das Gefühl, das am Ende der Bewegung kommt, wenn das Gelenk durch den Muskel oder ggf. auch anderen Strukturen, in seiner Bewegung gebremst wird. Dabei unterscheidet man 3 Formen des Stopps:
  1. muskulärer Stopp: Hier wird die Bewegung über die Muskeln gebremst. Das ist die normale und gesündestes Art der Endbewegung.
  2. ligamentärer Stopp: Die Bewegung wird durch Bänder und die Gelenkkapsel gebremst. Die Muskeln werden dabei etwas überdehnt, da sie bereits vorher bremsen wollten und die Bewegung weiter ging. Geschieht dies öfter, kann es zu Erkrankungen des Gelenks und frühzeitigem Verschleiß des Gelenks kommen.
  3. knöcherner Stopp: Die Bewegung geht über den muskulären und ligamentären Stopp hinaus. Die Bewegung des Gelenks wird über die Knochen gebremst. Dies ist für das Gelenk die schädlichste Art der Bewegungsendgrenze. Knöchernde Strukturen können dabei Schädigung nehmen und Bänder reißen. Bei der Behandlung mit langen Hebeln wird grundsätzlich immer über diesen Stopp gearbeitet!
Ist das Endgefühl weich und nachgiebig, so arbeitet das Gelenk korrekt. Ist das Endgefühl zäh oder hart, dann ist das Gelenk blockiert.

Es gibt Gelenke, die können nur Beugen und Strecken, einige arbeiten in Links- oder Rechtsbiegung, Gleiten oder Rotieren. Auch eine Kombination von diesen Bewegungen ist bei einigen Gelenken normal. Auch hier ist wieder der Seitenvergleich wichtig. Alle Unstimmigkeiten oder Auffälligkeiten nimmt der Therapeut auf, um daraus mit den vorherigen Ergebnissen eine Diagnose zu stellen.

Testung Hufgelenk
Foto: privat



Testung Karpalgelenk
Foto: privat


Bei der anschließenden Behandlung des Pferdes wird das gesamte Pferd behandelt. Die Behandlung von einzelnen Läsionen bringt keine nachhaltige Verbesserung. Dabei wird zuerst das dazugehörige Gewebe vorbereitet und erwärmt. Dies geschieht i. d. Regel mit Massagetechniken. Nur der vorbereitete Muskel lässt die Behandlung zu und schützt das Gelenk nicht noch mehr. Anschließend nutzt der Therapeut verschiedene Techniken um die Bewegung des Gelenks wieder herzustellen. Diese Techniken kommen aus der manuellen Therapie und sind sanft. Die Gelenke werden in ihrer natürlichen Funktion mobilisiert. Der Osteopath stellt in der Behandlung die natürliche Bewegung der Gelenke wieder her. Er regt den Körper zur Selbstheilung an.

Vorbereiten der Muskulatur
Foto: privat
Nach der Behandlung erhält der Besitzer vom Therapeuten Tipps für das weitere Training und den korrekten Aufbau der Muskulatur. Denn erst jetzt beginnt die Phase der Genesung, Nun ist der Reiter gefordert und muss gezielt Krankengymnastik betreiben. Nur so kann eine Blockierung sicher abgestellt werden. Eine Abstellung der Ursache ist natürlich Voraussetzung.

Insgesamt dauert eine gute Untersuchung und Behandlung eines Pferdes so ca. 1,5 Stunden. Es sollte auf eine ruhige Umgebung geachtet werden. Das Pferd darf niemals zur Behandlung gezwungen werden. Nasenbremse, Seile zum Fixieren oder Sedierung sind absolut Tabu und zeugen eher von Unwissen und üblen Machenschaften des Therapeuten, aber nicht von professioneller Therapie.

Was passiert ohne Vorbereitung der Muskeln und bei der Behandlung mit langen Hebeln?

Würde man bei der Behandlung mit Kraft und langen Hebeln arbeiten, dann verhindert die muskuläre Anspannung die Bewegung des Gelenks. Dieser Reflex geschieht automatisch zum Schutz des Körpers. Zieht man dann trotzdem an dem Gelenk bzw. Bein, dann kommt es zu Rissen im Muskel, den Sehnen und Bändern, die Gelenkkapsel kann geschädigt werden und im schlimmsten Fall kommt es zu Knochenabsplitterungen oder Brüchen. Gelenke werden sich durch den Reiz entzünden. Diese Entzündung führt wiederum zur Ansammlung von vermehrter Gelenkflüssigkeit und somit zu erneuten oder schlimmeren Läsionen in dem Gelenk. Durch die reflexartige Schutzfunktion der Muskeln wird das betroffene Gelenk kurzfristig stabilisiert. Aus diesem Grund fällt auch direkt nach so einer schlechten Behandlung keine Verschlimmerung der Problematik auf. Diese kommt meist erst später zum Vorschein und kann deshalb oft mit so einer Behandlung nicht im direkten Zusammenhang gebracht werden.

Wird die verspannte Muskulatur nicht genügend erwärmt, dann werden die Blockierungen immer wieder auftreten. Die Muskeln passen sich mit der Zeit der eingeschränkten Bewegung an. Sie müssen durch verbesserte Durchblutung und Dehnungen wieder zu ihrer physiologisch normalen Arbeit kommen. Nur so kann die Behandlung erfolgreich sein.

Ein weiteres Problem bei der Arbeit mit den langen Hebeln ist die, dass immer mehrere Gelenke zur gleichen Zeit traktiert werden. Wenn das Bein in eine Richtung ruckartig gezogen wird, dann werden alle Gelenke über ihren knöchernden Stopp hinaus überstreckt. Man behandelt somit auch Gelenke, die keine Auffälligkeiten haben und sorgt jetzt hier für Verletzungen.

Auch bei älteren Pferden oder auch jüngeren Pferden mit Gelenkproblemen ist von solch einer Behandlung unbedingt abzuraten. Bei solchen Pferden können sich Arthrosen an den Gelenken gebildet haben. Diese Gelenke werden richtig auseinander gerissen, wenn mit Kraft dran gezogen wird!

Schlussfolgerung

Mit diesem Wissen sollte eigentlich jedem klar sein, dass die Behandlung von Bewegungseinschränkungen und Blockierungen nur auf eine Art und Weise geschehen kann:nämlich sanft, ohne Krafteinwirkung durch lange Hebel (Beine langziehen) und mit Vorbereitung der Muskulatur durch z. B. Massage! Alles andere ist nicht nur Tierquälerei sondern verstößt meiner Meinung nach gegen das Tierschutzgesetz ( Man darf einem Tier nicht ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden etc. zufügen, außer in Notfällen!).

Ich denke, ich kann für alle echten Kollegen sprechen, wenn ich behaupte, dass wir nicht neidisch auf das sind, was ein Knochenbrecher macht. Auch wenn von der Seite gerne solche Behauptungen kommen und auch der vom Therapeuten iniziiert Wunsch nach Zusammenarbeit. Ein guter Therapeut arbeitet mit Tierärzten, Hufschmieden, Sattlern, THP und anderen ausgebildeten Fachkräften zusammen.

Bitte achtet zum Wohle eurer Pferde darauf, welche Qualifikation die Menschen haben, die an euren Pferden Hand anlegen. Lasst euch nicht von den Medien blenden. Hier wird sicherlich auch gerne vertuscht und Filmmaterial ist manipulierbar. Da kann man schnell mal unschöne Szenen rausschneiden! Dann achtet auf euer Bauchgefühl. Meint ihr wirklich, dass extrem unruhige Pferde die Behandlung toll finden? Würdet ihr das bei euch so machen lassen?

Samstag, 21. März 2015

Keine Angst vorm Wolf?!

Dieser Beitrag soll der Information dienen und nicht wertend gegenüber der Ansiedelung des Wolfes sein! Ich möchte alle Leser darum bitten, sich von Diskussionen bezüglich des Für und Wieder zur Ansiedelung als Facebookkommentar fernzuhalten. Dafür gibt es entsprechende Seiten, auf denen man sich austoben kann. Die Diskussionen der jeweiligen Lobby fällt mir gerade auf Facebook immer wieder negativ auf. Bei meiner Recherche habe ich auf fachlich qualifizierte Quellen zugegriffen, die ich in dem Beitrag auch immer wieder erwähne. Sollte es doch zu Fehlinformationen kommen, dann bitte ich darum, mir unter der unten angegebenen Email eine Nachricht mit Quellenhinweis zuzusenden.

 

Der Wolf ist zurück in Deutschland. Ich wohne selber in einem Gebiet, in dem es Wölfe gibt, und bin da noch geteilter Meinung zu diesem Thema. In den letzten Tagen habe ich Veranstaltungen besucht, um mein Wissen zu dem Thema Wolf zu erweitern. Ich möchte euch hier einmal die wichtigen Details zusammenstellen.

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Wolf in der Lüneburger Heide auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord.
Foto: Jürgen Borris; www.nabu.de

Der europäische Grauwolf (lat. canis lupus lupus)

Ethologie und Biologie

Der Wolf in Deutschland war 150 Jahre lang durch Menschen annähernd ausgerottet. Einzelne Tiere wurden aber immer wieder gesichtet und auch getötet. War er früher auf der gesamten nördlichen Halbkugel fast flächendeckend verbreitet, so ist er inzwischen überwiegend nur noch in Kanada, Russland und Alaska in größeren Beständen zu finden (Verbreitung weltweit). In Nordamerika und Westeuropa wurde er durch den Menschen nahezu ausgerottet. Seit 1980 gilt er aber durch nationale und internationale Übereinkommen als überaus streng geschützte Art in der gesamten EU und darf nicht mehr getötet werden. Nun kehrt er zurück und das verursacht Unsicherheit, Angst und zum Teil auch Wut. In der Oberlausitz sind im Jahr 2000 die ersten Welpen geboren worden. Junge Wölfe wandern überwiegend aus Polen und suchen sich neue Reviere.

Der Wolf ist eines der größten Raubtiere in Europa und gehört zu der Familie der hundeartigen Tieren und zählt hier zu den größten Vertretern. Er hat einen gut proportionierten Körperbau und ist an die Fortbewegung über größere Entfernungen ideal angepasst. Er hat einen kräftigen Hals, einen starken Brustkorb, eine schlanke Bauchregion und ist hochbeinig. Seine Färbung ist gelbbraun bis grau. Er hat einen hellen Sattelfleck mit dunkler Sattellinie und eine schwarze Schwanzspitze. Das Gesicht ist dunkel mit hellen bis weißen Partien seitlich am Fang und an der Kehle. Die Ohren sind eher klein und abgerundet. Von innen sind sie dicht behaart und hell. Die Augen sind hellbraun bis gelb und stehen schräg.

Wölfe sind deutlich größer als die meisten Hunde. Fähen (weiblicher Wolf) sind 15-20 % kleiner und leichter als Rüden (männlicher Wolf). Der Rüde erreicht eine Schulterhöhe von 70 - 90 cm, eine Kopf/Rumpflänge von 100 - 140 cm. Die Fähe wird ca. 60 - 80 cm hoch und ist 97 bis 124 cm lang. Die Rute (Schwanz) ist 30 - 70 cm lang. Der Wolf erreicht ein Gewicht von 30 - 50 kg (Vgl. deutscher Schäferhund Rüde: Widerristhöhe 60 - 65 cm, Gewicht 30 - 40 kg).

https://www.nabu.de/downloads/fotos/wolf/wolf-DaubitzerRudel_Jan_Noack_01.JPG
Rüde des Daubitzer Wolfsrudels auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im sächsischen Teil der Lausitz.
Foto: NABU/Jan Noack;


Der Wolf kann nachts sehr gut sehen und hat ein ausgezeichnetes Gehör. Ein Wolf kann das Geheul eines anderen auf eine Distanz von 6,4 bis 9,6 Kilometern hören. Die Augen haben einen Blickwinkel von 250 ° (Mensch 180 °). Der Geruchssinn ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt. Er kann seine Beute und Artgenossen auf eine Entfernung bis zu 2 Kilometern wittern. Das Heulen des Wolfes dient als akustische Markierung des Territoriums und zur Kontaktaufnahme mit Artgenossen. Die Kommunikation untereinander ist ausgeprägt. Sie verfügen über ein reiches Repertoire an Gesichtsausdrücken, Körpersprache, Gesten, Lauten und Absonderung von Duftstoffen.

Als Ausdauerläufer legt ein Wolf in einer Nacht innerhalb seines Territoriums auch gerne mal bis zu 20 Kilometer zurück. Dabei bewegt er sich überwiegend im Trab mit einer Geschwindigkeit von 10 - 12 km/h. Kurzfristig kann er Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreichen (vgl. 600 kg schweres Pferd: Schritt 3,5 bis 6 km/h, Trab 12 bis 18 km/h, Galopp 21 bis 30 km/h, Galopper bis zu über 70 km/h) und ist ein guter Schwimmer. Der Bach als Weidezaun hält den Wolf also nicht ab.

Das Revier eines Wolfes ist in der Regel 250 bis 300 km² groß und zeichnet sich durch einen guten Rückzugsbereich und reichlich Beutetiere aus.  Es wird mit Kot und Urin markiert und gegen fremde Wölfe verteidigt. Dadurch bleibt die Anzahl an Wölfen in einem Gebiet auch konstant. Wölfe meiden dabei den Menschen. Es ist aber durchaus möglich, dass sie durch Gebiete streifen, in denen auch Menschen sind.

Die Elterntiere sind für die Beschaffung der Nahrung zuständig. Ein ausgewachsener Wolf benötigt ca. 4 - 5 kg Fleisch pro Tag.  Auf dem Speiseplan eines Wolfes gehören Rehwild, Rotwild und Schwarzwild. Wobei Rehwild über 50 % ausmacht. Neben diesen Wildarten fressen sie aber auch Aas, kleinere Säugetiere und Früchte.

Der Wolf hat in Deutschland keine natürlichen Feinde. Er stirbt meist durch natürliche Ursachen wie Alterstod, Krankheiten (häufig: Tollwut, Staupe, Räude), Verletzungen, Erfrieren oder Verhungern.

Das Rudel und die Verbreitung

Zu einem Rudel gehören die Elterntiere (Rüde und Fähe) sowie deren Nachwuchs aus 2 Jahren, die Wolfswelpen. Wölfe bekommen 1 x im Jahr Nachwuchs. Die Paarungszeit ist zwischen Januar und März. Nach einer Tragzeit von 63 Tagen kommen Ende April / Anfang Mai bis zu 11 Welpen auf die Welt. Diese überleben aber in der Regel nicht alle. Meist sind es bis zu 6 Welpen, die eine Familie über die Zeit durchbringen kann. Die Jungen werden in einer Wurfhöhle geboren. In einem Gebiet gibt es mehrere Wurfhöhlen, damit die Familie bei Gefahr umziehen kann. Die Welpen werden blind und taub geboren und bleiben die ersten 3 Wochen mit der Mutter in der Wurfhöhle. Der Nachwuchs wird 6 - 8 Wochen gesäugt und später von dem gesamten Rudel versorgt. So sind auch die Jährlinge damit beauftragt die Welpen zu versorgen. Dadurch lernen sie bereits die Verhaltensweisen, die sie später benötigen. Eine richtige Großfamilie. Mit ca. 10 Monaten sind die Welpen ausgewachsen. Die Jungen bleiben bis zu 2 Jahre bei den Eltern. Als spätestens zweijährige Wölfe sind sie geschlechtsreif und verlassen ihre Eltern und deren Revier. Sie suchen sich einen Partner und ein eigenes Revier. Dabei legen sie nicht selten bis zu 70 Kilometer am Tag zurück. Das ist dann auch eine Zeit, in der sie häufig in Gebieten gesichtet werden, wo es keine feste Besiedlung durch ein Rudel gibt.

Um sein Revier zu markieren setzt der Wolf auf Wegen und Kreuzungen unter anderem seinen Kot ab. Der Fachbegriff dafür ist "Wolfslosung". Er ähnelt einem Hundehaufen. Die Wolfslosung enthält häufig Haare, Knochenreste und zum Teil auch Zähne seiner Beute. Er ist in der Regel 2,5 bis 4 cm dick und über 20 cm lang. Schmaler und kürzer ist aber durchaus auch möglich. Der genaue Nachweis über die Zugehörigkeit zum Wolf ist aber nur durch DNA Analyse möglich.

Aktuell sind in Deutschland 38 Wolfsreviere bekannt (Verbreitung Deutschland). Davon werden 35 von Wolfsrudeln bzw. –paaren besetzt und drei von einem residenten Einzelwolf. In folgenden Bundesländern sind aktuell Wolfsreviere bestätigt:
Sachsen: 11 Wolfsrudel bzw. –paare
Grenzgebiet Sachsen/Bandenburg: 1 Wolfsrudel
Brandenburg: 10 Wolfsrudel + 1 residenter Einzelwolf
Grenzgebiet Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern:1 residenter Einzelwolf
Mecklenburg-Vorpommern: 2 Wolfspaare
Sachsen-Anhalt: 5 Wolfsrudel + 1 residenter Einzelwolf
Niedersachsen: 5 Wolfsrudel + 1 Wolfspaar 

Die Wiederbesiedlung ist keine aktive Wiederansiedlung, sondern nur die natürliche Ausbreitung des Wolfes!

Als bestätigtes Revier gilt, wenn das Tier über 6 Monate mehrfach in einer Region gesichtet wurde.
https://www.nabu.de/downloads/fotos/wolf/nabu-karte-mitteleuropaeische-woelfe.jpg
Mitteleuropäische Tieflandpopulation
Foto: NABU/M. Bathen

Spurenerkennung - Trittsiegel des Wolfes

Der Wolf ist, genauso wie der Hund, ein Zehengänger. Das bedeutet, dass er nicht mit dem gesamten Fuss auftritt, sondern auf den Zehen läuft. Er besitzt an den Vorderläufen 5 Zehen und an den Hinterläufen 4 Zehen. Die 5. Zehe der Vorderläufe ist allerdings am Trittsiegel (Fussabdruck) nicht zu erkennen, da sie höher angesetzt ist als die anderen. Die Pfotenabdrücke eines Wolfes sind sehr groß und ähneln denen eines großen Hundes. Der Abdruck eines erwachsenen Wolfes ist deutlich größer als bei den meisten großen Hunden. Die Größe ist abhängig vom Alter, Geschlecht und individuellen Eigenschaften des Wolfes. Bei erwachsenen Wölfen beträgt sie 10 bis 13,7 cm (8 bis 12 cm ohne Krallen) in der Länge und 7 bis 11 cm in der Breite bei den Vorderpfoten. Die Hinterpfoten sind etwas kürzer und schmaler. Die Form der Trittsiegel beim Wolf ist eher längs-oval, beim Hund eher rund. Seine Krallen sind relativ groß und kräftig. Ein bedeutender Unterschied im Trittsiegel zwischen Wolf und Hund ist die Anordnung der Zehen. Die beiden vorderen Zehen des Wolfes stehen gerade nach vorne, die beiden seitlichen sind nach schräg außen angeordnet. Beim Hund sind alle Zehen schräg nach außen angeordnet. Auch der Fuchs hat die Anordnung der Zehen so wie der Wolf. Nur sind seine Spuren deutlich kleiner.

Die bevorzugte Gangart ist der geschnürte Trab. "Schnüren" beim Wolf ist gleichbedeutend wie beim Pferd. Die Vorderpfoten und Hinterpfoten werden genau voreinander in einer Linie gesetzt. Mit den Hinterpfoten tritt er dabei in das Trittsiegel der Vorderpfoten. Die Spur ist geradlinig, beim Hund eher gewundener. Auch mehrere Wölfe zusammen bewegen sich immer in der Linie von einer Spur. Dabei treten die folgenden Tiere in die Trittsiegel der vorderen Tiere. Die Abstände zwischen den Abdrücken jeweils einer Pfote betragen mindestens 100 cm, häufig auch mehr. Als weitere Gangarten gibt es dann noch den schrägen Trab und verhaltener sowie gestreckter Galopp (siehe Bild). Weitere Info zu Trittsiegeln: siehe Trittsiegel und Spuren

http://chwolf.org/assets/graphics/content/woelfe-kennenlernen/Spurbilder_Schrittlaengen.jpg
Trittspuren der Gangarten im Vergleich
Copyright CHWOLF 2012

Monitoring

Als Monitoring bezeichnet man die wissenschaftliche Überwachung, Beobachtung und Erfassung eines Vorgangs um Daten zu gewinnen und auszuwerten. Das Wolfsmonitoring  liefert Informationen über die Biologie und Lebensweise der Wölfe, sowie der Größe und Entwicklung des Wolfsvorkommens in Deutschland und anderen Ländern. Es wird von geschulten Mitarbeitern der Landratsämter und weiteren geschulten Personen aus Jagd, Forst und Naturschutz unterstützt und durchgeführt. Der Nachweis von Großraubtieren in Deutschland wird der über die anerkannten SCALP (Status and Conservation of the Alpine Lynx Population) definiert. Die in Deutschland erforderlichen SCALP Kriterienn für ein standardisiertes Großraubtier-Monitoring gelten nicht nur für den Wolf, sondern u. a. auch für Bären und Luchse. Dabei sind einige Vorbedingungen einzuhalten:

  • In jeder Region mit Großraubtieren ist mindesten eine erfahrene Person für die Evaluierung der Felddaten verfügbar.
  • Als erfahren gilt, wer ausgiebige Felderfahrung mit der in Frage kommenden Großraubtierart hat.
  • Alle Beobachtungen sind auf ihre Echtheit, bzw. gezielte Täuschung muss ausgeschlossen werden, zu überprüfen.
Die Nachweise werden wie folgt eingeteilt:
  • C1: eindeutiger Nachweis = die Anwesenheit eines Großraubtieren ist eindeutig bestätigt. Dies kann z. B. über Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis oder Foto geschehen.
  • C2: bestätigter Nachweis = von erfahrener Person überprüfter Hinweis (z. B. Spur oder Riss), bei dem ein Großraubtier als Verursacher bestätigt werden konnte. Die erfahrene Person kann den Hinweis selber im Feld oder anhand einer Dokumentation von einer dritten Person bestätigen.
  • C3: unbestätigter Hinweis = Alle Hinweise, bei denen eine Großraubtier als Verursacher auf Grund der mangelnden "Beweislage" von einer erfahrenen Person weder bestätigt noch ausgeschlossen werden konnte. Dazu zählen alle Sichtbeobachtungen, auch von erfahrenen Personen, ferner alle Hinweise, die zu alt sind, unklar, unvollständig dokumentiert sind, zu wenige um ein klares Bild zu ergeben ( z. B. bei Spuren) oder aus anderen Gründen für eine Bestätigung nicht ausreichen; ebenso alle Hinweise, die nicht überprüft werden konnten. Die Kategorie C3 kann in Unterkategorien „wahrscheinlich“ und „unwahrscheinlich“unterteilt werden. 
  • Falsch: Falschmeldung = Hinweis, bei der ein Großraubtier als Verursacher ausgeschlossen werden konnte oder sehr unwahrscheinlich ist.
Der Buchstabe "C" steht für "Category", die Zahlen für die Überprüfbarkeit der Hinweise.

Herdenschutz

Die Jagdtaktiken des Wolfes sind sehr variabel. Er beherrscht die Hetzjagd, die Langzeitjagd sowie das Auflauern der Beute. Die Hetzjagd findet vor allem in spärlich bewachsenen Gebieten Anwendung. Hierbei wird ein Beutetier von der Herde getrennt, um es leichter erlegen zu können. Dann wird es solange gejagt, bis es vor Erschöpfung keinen Widerstand mehr leisten kann. Eine weitere interessante Variante der Jagd ist die Langzeitjagd, bei der Wiederkäuer vom für ihre Verdauung unbedingt notwendigen Ruhen abgehalten werden. Dadurch entwickeln sich mit der Zeit schmerzhafte Koliken, welche das geschwächte Tier zu einer leichten Beute werden lassen.

Bei Tieren, die von uns Menschen gehalten werden, ist es schon bequemer für den Wolf. Er hat einen geringen Aufwand bei der Nahrungssuche. Um an seine Beute zu kommen, die hinter einem Zaun gesichert ist, gräbt sich der Wolf unter den Zaun durch oder überläuft diesen. Dabei vermeidet der Wolf Situationen, bei denen er sich verletzen kann (z.B. durch Schutzhunde oder Elektrozaun). Hat ein Wolf einmal eine schlechte Erfahrung mit einem Zaun gemacht, kommt er wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Ein anständiger Stromzaun gilt als einer der effektivsten Möglichkeiten zum Schutz der eigenen Tiere. Empfohlen wir u.a. Maschendraht mindestens 50 cm tief eingraben und 120 cm hoch. An der Außenseite des Zaunes eine zusätzliche Litze mit Strom tief anbringen.

Eine kurzfristige Abschreckung ist das Anbringen von Flatterband. Dies führt aber schnell zur Gewöhnung.

Wichtig sind jedoch auch folgende Dinge:

  • keine Nachgeburt liegen lassen
  • keinen "Lämmerschlupf" im Zaun (das sind kleine Öffnungen im Zaun)
  • Stromlitzenabstand klein halten < 20 cm
Übergriffe auf Pferde und Rinder sind europaweit seltener als bei Schafen, kommen aber auch vor. So gibt es in Ostpolen ein Rudel, wo Übergriffe mehrfach vorgekommen sind und auch in Cuxhaven und anderen Bundesländern wurden bereits Rinder von Wölfen gerissen. Auch aus Schweden und Frankreich kommen Meldungen mit Übergriffen auf Pferde (Infos hier). Eine aktuelle Übersicht über gemeldete Nutztierrisse in Niedersachsen findet ihr hier, für Brandenburg hier, für Sachsen hier.

Ob für Pferdehalter ein Herdenschutzhund sinnvoll ist, sei erst mal dahingestellt. Diese Hunde sind speziell ausgebildet und lassen wirklich nichts und niemanden Fremdes an ihre Herde. Auch sie müssen vor Ausbruch gesichert werden. Zu den gängigen Herdenschutzhunden gehören folgende Rassen:

  • Französischer Pyrenäenberghund (Rüden 70 - 80 cm groß, ca. 60 kg; Hündinnen 65 - 70 cm, ca. 50 kg)
  • Kuvasz (Größe bis 76 cm, Gewicht bis 62 kg)
  • Kangal (Rüden bis 80 cm, 45 - 60 kg; Hündinnen bis 76 cm, 30 - 50 kg)
  • Maremmano Abruzzese (Rüden 65 - 73 cm groß, ca. 40 kg; Hündinnen 60 - 68 cm, 35 kg)

Die Aufgaben den Herdenschutzhundes ist, wie der Name schon sagt, der Schutz seiner Herde und seines Territoriums. Er ist durch seine lange Ausbildung hoch spezialisiert. Jedes Eindringen von ihm unbekannten Menschen oder Tieren in das von ihm besetzte Revier wird er versuchen zu verhindern. Grundsätzlich verhält er sich Fremden auf neutralem Territorium gegenüber abwartend, zurückhaltend und misstrauisch. Wer sich einer Herde Schafen oder anderen Tieren, die von Herdenschutzhunden bewacht werden, nähert, sollte sich auf jeden Fall ruhig und zurückhaltend, keinesfalls forsch, hektisch oder aufgeregt verhalten. Die umzäunte Fläche niemals ohne den Besitzer betreten! Begegnung mit dem Herdenschutzhund - Video

Weiter Informationen zu den Herdenschutzhunden erhaltet ihr u. a. hier:
www.ag-herdenschutzhunde.de
www.pro-herdenschutzhunde.de

Herdenschutzhund. © Freitag & Krummheuer / WWF
Herdenschutzhund. © Freitag & Krummheuer / WWF

Eine weitere Alternative zum Herdenschutz bilden Esel. Sie sind im Gegensatz zu Pferden keine Fluchttiere, sondern stellen sich der Gefahr solange es geht und sind sehr wehrhaft. Nur gibt es bei der Haltung von Eseln ein großes Problem. Unsere nahrhaften Weiden sind für den Esel der sichere Tod. Wie bei vielen Ponys und Pferden auch, neigen sie zu Hufrehe.

Risse - Unterschied Wolf und Hund

Um seine Beute zu töten, wendet der Wolf einen kräftigen, gezielten und unblutigen Drosselbiss / Kehlbiss an. An dieser Stelle sind meist tiefe, nicht ausgefranste Löcher von den Zähnen erkennbar. Je nach Beute beißt er auch in die Läufe und Flanken seiner Beute, um diese zum Fallen zu bringen. Er öffnet den Bauchraum um an die inneren Organe zu gelangen (Wobei Magen und Darm grundsätzlich nicht vom Wolf gefressen wird). Dabei hat er keine Probleme die Rippen seiner Beute zu durchbeißen. Seine Eckzähne am Oberkiefer haben einen Abstand von 4 cm, die des Unterkiefers 3 cm. Im Vergleich dazu bevorzugt der Hund viele ungezielte Bisse, die nicht nur in der Kehle der Beute zu finden sind. Durch mehrfaches Nachfassen und Schütteln der Beute sind die Bisse blutiger. Im Ganzen hat der Hund nicht so viel Beißkraft wie der Wolf. Um den Drosselbiss eindeutig zu erkennen, muss die Haut des Opfers abgezogen werden. Die Beute wird häufig 20 Meter und mehr in Richtung Deckung geschleppt.

Riss
Vom Wolf gerissenes Rotwildkalb
Foto: Norman Stier



Begegnungen der unheimlichen Art - Wie verhalte ich mich als Mensch?

Ist der junge Wolf neugierig, kann es schon mal vorkommen, dass er Mensch und Hund oder Pferd auch parallel mehrere Meter begleitet. Vermehrt gibt es in Deutschland auch immer mehr Sichtungen von Wölfen in Dörfern und auch Begegnungen mit Wölfen, bei denen sich der Wolf eher nicht scheu zeigte. In der Regel sind Wölfe aber doch scheue Tiere und meiden den Kontakt zum Menschen. Begegnungen mit dem Wolf sollten unbedingt dem nächsten Wolfsberater (über den Landkreis zu erfahren) gemeldet werden.

Die Internetseite http//www.chwolf.org gibt folgende Hinweise bei der Begegnung mit dem Wolf:

"Verhalten bei Wolfsbegegnungen

Wanderer, Biker, Jogger und Reiter werden den Wolf kaum je zu Gesicht bekommen. Die Tiere sind sehr scheu und vermeiden es in der Regel, Menschen direkt zu begegnen. Sie bemerken die Menschen frühzeitig und suchen das Weite. Sollte es doch einmal zu einem dieser seltenen Zusammentreffen kommen, bleiben Sie stehen, verhalten Sie sich ruhig und geben Sie dem Wolf die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Vor allem Junge noch unerfahrene Wölfe sind meist neugieriger und weniger scheu als alte Wölfe und begeben sich eher einmal in eine unvorteilhafte Situation. Eine solche Situation stellt für Sie keine Gefahr dar. Aber versuchen Sie auf keinen Fall ein Tier anzulocken oder zu füttern. 

Falls der Wolf nicht von selbst wegläuft und Ihnen die Situation nicht geheuer ist:
  • laufen Sie nicht davon, sondern gehen Sie langsam rückwärts
  • sprechen Sie laut oder klatschen Sie in die Hände
Sollte der Wolf Ihnen sogar folgen, so bleiben Sie stehen und versuchen Sie ihn einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen, ihn laut anschreien und eventuell etwas nach ihm werfen.

Wenn Sie mit Ihrem Hund spazieren gehen

In Wolfsgebieten sollten Sie den Hund grundsätzlich an die Leine nehmen. Wölfe können auf freilaufende Hunde aggressiv reagieren. Es ist trotzdem nicht ganz ausgeschlossen, dass sich ein Wolf ihrem angeleinten Hund nähert und dabei die Anwesenheit des Menschen ignoriert. In diesem Fall sollten Sie den Wolf laut ansprechen und in die Hände klatschen. Sollte ihn das nicht bereits auf Abstand halten oder in die Flucht schlagen, gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie laut, den Hund nahe bei sich. Stellen Sie dabei sicher, dass Ihr Hund nicht von sich aus versucht, den Wolf anzugreifen. 

Wolf am Riss
Überraschen Sie einen Wolf an einem Beutetier, so ziehen Sie sich langsam wieder zurück und versuchen Sie nicht, zum Riss zu gehen oder diesen zu entfernen."

Weitere Empfehlungen zu der Begegnung mit Wölfen erhält man auch bei vielen Naturschutz- und Umweltbehörden wie z.B. für Niedersachsen, den Landkreisen und den Naturschutzverbänden.
PDF Seiten zum download:
Flyer "Wolfsbegegnung - Was nun?" des Landkreises Lüneburg / Niedersachsen
Flyer "Wolfs-Begegnungen" BUND
Flyer "Wenn Sie einem Wolf begegnen" Wolfsregion Lausitz

Anlaufstellen

Bei den örtlichen Landkreisen erhält man die Kontaktdaten der jeweils zuständigen Wolfsberater. Sie informieren regional und nehmen u.a. auch Hinweise zu Wolfssichtungen an. Weitere Informationen könnt ihr auch auf folgenden Seiten erhalten:

Niedersachsen

Niedersächsisches Umweltamt
www.wildtiermanagement.com
Wolfsberater Niedersachsen

Schleswig-Holstein

www.wolfsbetreuer.de
Landesjagdverband Schleswig-Holstein

Brandenburg

Landesamt f. Umwelt, Gesundheit, Verbraucherschutz

Mecklenburg Vorpommern

www.wolf-mv.de

Sachsen

Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz


Weitere Infos, überregionale Seiten

Weitere Wolfsarten Beschreibung von weiteren Unterarten des Wolfes
www.jagderleben.de
Jagdverband
NABU
Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.

Aber auch die Seiten derer, die die Wiederansiedelung des Wolfes als kritisch sehen, sollen hier erwähnt werden:
www.wolf-nein-danke.de

Gerne nehme ich weitere Seiten auf und ergänze den Beitrag noch. Hinweise schickt ihr mir am besten per Email: pferdeosteopathie-lueneburg@gmx.de.

Bedanken möchte ich mich bei den Herausgebern der Bilder für die Genehmigung der Nutzung.